Anleitung für die Textarbeit (Seiten 15 bis 20: Ein Modell des menschlichen Gedächtnisses) mit Jugendlichen mit tiefer Sprachkompetenz

In DELV-Kursen machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Lehrpersonen zwar die DELV-Übungen mit den Lernenden bearbeiten und sich an die Empfehlungen der Autoren halten, die Textarbeit mit den Lernenden aber eher meiden. Sie halten die Texte für ihre Lernenden für nicht „zumutbar“.

Das bedeutet, die Lehrperson betreibt eine Nivellierung des Anspruchsniveaus (hier in der Textarbeit) nach unten, eine Tatsache, die man im Bereich der lern- und leistungsschwächeren Lernenden leider immer wieder antrifft.

Damit schwächt die Lehrperson die Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Lernenden, d.h. die Jugendlichen lernen während der Schulzeit, dass man (die Lehrperson, die Gesellschaft) ihnen nicht allzu viel zutraut, sie halten sich für unbegabt oder für „dumm“, was den von Seligmann beschriebenen Zustand der „gelernten Hilflosigkeit“ begünstigt oder allmählich herbeiführt.

In der Arbeit mit lern- und leistungsschwächeren Jugendlichen ist nicht das Anspruchsniveau zu senken, sondern es sind die Hilfestellungen zu erhöhen.

Für die Textarbeit mit DELV heisst dies, die Lehrperson überlegt sich, welche Hilfestellungen sie geben kann, damit die Lernenden die Textarbeit leisten können.

Hilfestellungen zur Textarbeit:

Die Fragestellung für den Unterricht mit meiner Klasse in der zweijährigen Grundbildung heisst demnach:

Unter welchen Bedingungen können die Lernenden die Textarbeit bewältigen?

Welche zusätzlichen Hilfestellungen muss ich als Lehrperson anbieten?

Was können die Lernenden von der Textarbeit profitieren?

1. Massnahme: Den Text in Portionen aufteilen.

Der Gesamttext Ein Modell des menschlichen Gedächtnisses umfasst viereinhalb Seiten. Dieser Umfang ist ohne Zweifel zu gross, um in einer Lektion bearbeitet zu werden. Ich werde den Text in vier Portionen (Lektionen) aufteilen:

Teil 1: Einleitung und Ultrakurzzeitgedächtnis
Teil 2: Kurzzeitgedächtnis
Teil 3: Langzeitgedächtnis
Teil 4: Die Beziehung zwischen den drei Gedächtnisspeichern

2. Massnahme: Die Textarbeit vorentlasten

Treffen Lernende der zweijährigen Grundbildung in Texten auf Begriffe, die sie nicht verstehen, so verschlechtert sich ihre motivationale Lage oft sehr schnell. „Das ist nichts für mich! Dafür bin ich viel zu dumm!“ Diese Äusserungen höre ich immer wieder.

Die Strategie, ein nicht verstandenes Wort in einem Wörterbuch nachzuschlagen kann aus mehreren Gründen nicht aktiviert werden:

  1. Sie beherrschen die Technik des Nachschlagens nicht, weil sie das Ordnungsschema eines Stichwortverzeichnisses nicht verstanden haben.

  2. Sie scheuen die Anstrengung, die dieses Nachschlagen erfordern würde. Weil sie erlebt haben, dass sie das Gesuchte nicht finden.

  3. Sie sind der persönlichen Überzeugung, der Autor müsse den Text so gestalten, dass Lesende auf Anhieb alles verstehen.

Als Lehrperson lese ich den Text aufmerksam durch und überlege mir, welche Begriffe oder Textpassagen nicht in der Sprachkompetenz der Lernenden enthalten sein könnten. Ich orientiere mich dabei am Gemeinsamen Referenzrahmen der Sprache GER, der die verschiedenen Aspekte der Sprachkompetenz auf insgesamt sechs Niveau-Stufen (A1, A2, B1, B2, C1, C2) beschreibt. Im Bereich des Textverstehens gehe davon aus, dass meine Klasse ca. das Niveau A2 (das zweitunterste) erreicht.

Das Lehrmittel mit integrierter CD Profile Deutsch zeigt mir, welche Begriffe und Redewendungen wohl von den Lernenden nicht spontan verstanden werden. Hier gilt es, die Textarbeit vorzuentlasten, indem ich vor dem Lesen die entsprechenden Begriffe und Redewendungen mit der Klasse kläre.

3. Massnahme: Den Text visualisieren – zum Beispiel mit flemo1

Beim Lesen eines Textes aktiviert die Leserin/der Leser innere Bilder und Begriffe (Vorwissen wird aktiviert). Der gelesene Text bestätigt zum Teil diese Inhalte, zum Teil werden sie präzisiert oder in Frage gestellt und ab und zu steht der Text im Gegensatz zum bestehenden Vorwissen. Will ich als Lehrperson diese inneren Bilder sichtbar und damit diskutierbar machen, muss ich die Visualisierung der Inhalte veranlassen.

Ich kann dies zum Beispiel tun, indem ich mich zu diesem Zweck der Methode des flexiblen Modellierens bediene und den Lernenden den Auftrag erteile, den Inhalt des Textes in eine bildliche Darstellung zu bringen. Auf diese Weise steht in einer Gruppenarbeit das Bild, dass sich die Gruppe erarbeitet hat. Die Lehrperson sieht anhand des Bildes, ob der Text verstanden wurde, wo Lücken bestehen und wo es Fehlkonzepte zu berichtigen gilt.

4. Massnahme: Teile des Textes immer wieder konsolidieren

Soll der Inhalt des Textes Ein Modell des menschlichen Gedächtnisses dauerhaft gespeichert werden, so muss die einmal gelegte Spur mehrmals verfolgt werden, d.h. es gilt, durch variantenreiches Üben und Einbeziehen in den nachfolgenden Unterricht, die Verbindungen zu vermehren und zu festigen. Steiner2 ortet in der Berufsfachschule einen Mangel beim Konsolidieren (Festigen) der Inhalte. D.h. die einmal gelegten Spuren im Gedächtnis schwächen sich ab und verlöschen allmählich wieder. Damit sind die betreffenden Inhalte nicht mehr systematisch abrufbar.

Es gilt also, immer wieder auf das Modell der Informationsverarbeitung zurückzukommen und insbesondere der Frage nachzugehen, wie wir den Engpass in der Verarbeitungskapazität im Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis) mit gut angepassten Strategien ausgleichen können?
Aber auch der Einsatz der verschiedenen Sinnesregister beim Lernen ist ein Thema, bei dem immer wieder nachgefasst werden muss. Was heisst aktives Lernen? Wie kann ich mehrere Sinne beim Lernen aktivieren? Was passiert, wenn ich beim Lernen immer wieder „abgelenkt“ werde (Aufmerksamkeit als knappes und wertvolles Gut)? Was nehme ich wahr und was will ich nicht wahrnehmen?

Das möglichst vernetzte Ablegen von Inhalten im Langzeitgedächtnis ist ein weiteres Thema, das von der Lehrperson immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden muss. Allmählich aber sollen Lernende sich selber fragen, ob ihr Verhalten und die angewendeten Strategien dem Lernprozess angemessen sind, d.h. die Verantwortung für das Lernen muss Schritt für Schritt von der Lehrperson abgegeben werden. Sie behält aber einen wachsamen Blick und veranlasst ein Nachfassen, wenn ihr dies angemessen erscheint.

Teil 1: Das Ultrakurzzeitgedächtnis

Vorbereitung

In der Vorbereitung stellen sich folgende drei Fragen:

  • Interessieren sich die Lernenden (Automobilassistenten) für dieses Thema?

  • In wie grosse Portionen will ich den Gesamttext gliedern?

  • Was will ich zur Förderung des Textverständnisses tun:
    - vor der Lektüre (Vorentlastung)?
    - während der Lektüre?
    - nach der Lektüre?

Nach den positiven Erfahrungen mit dem Text Seite 11/12 bin ich überzeugt, dass sich die Lernenden dafür interessieren, wie Informationen wahrgenommen, verarbeitet, gespeichert und wieder abgerufen werden. Ich bin überzeugt, dass das Visualisieren und die Wahl einer den Lernenden angemessenen Sprache dazu beitragen, das Lernende den Text verstehen können.

Nach der gründlichen Lektüre des Textes entschliesse ich mich, für die Erarbeitung des Textes vier mal 15-20 Minuten einzusetzen.

a.    Das Ultrakurzzeitgedächtnis (S. 15/17)     - Information aufnehmen
b. Das Kurzzeitgedächtnis (S. 17/18) - Information verarbeiten
c. Das Langzeitgedächtnis (S. 18/19) - Information speichern
d. Die Beziehung zwischen den drei Gedächtnisspeichern (S. 19/20)

Geplanter Lektionsablauf zum Teil a) Ultrakurzzeitgedächtnis S. 15/17

Einstieg

Überschrift „Wie wir etwas von der Welt erfahren – mit allen Sinnen leben.“

  • Angefangene Tabelle ergänzen mit den Kolonnen Sinnesorgan, Tätigkeit, Beispiel aus dem Beruf des Automobilassistenten

  Sinnesorgan Tätigkeit Beispiel Autmobilass Bedeutung
Sehregister        
Hörregister        
Tastregister        
Geruchsregister        
Geschmacksregister        
  • Vorentlastung: Folgende Begriffe werden vor dem Lesen geklärt, indem ich sie an die Tafel schreibe und die Lernenden frage, was sie zur Klärung beitragen können:

  • strukturelle Frage    Struktur =                                                              
    funktionelle Frage    Funktion =  
    hemmen   =  
    theoretisch   =  
    Psychologen   =  
    naiv   =  
    kognitiv   =  
    sensorisch   =  
    physikalisch   =  
    Netzhaut   =  
    psychologisch sinnvolle Zeichen =  
    Informationsflut verdichten zu einem Schema =  
  • Text Abschnitt für Abschnitt lesen. Sich zu jedem Abschnitt eine Frage ausdenken und die Frage auf einen Zettel schreiben.

  • Fragen vergleichen und beantworten.

Geschätzter Zeitbedarf Textarbeit S. 15/17 30 Min.

Erfahrungen im Unterricht:

„Wie wir etwas von der Welt erfahren – mit allen Sinnen leben“
Tabelle in Partnerarbeit ausgefüllt. Hier ein Beispiel:

  Sinnesorgan Tätigkeit Beispiel Autmobilass Bedeutung
Sehregister Augen sehen Ich lese die Typenangaben auf einem Autoreifen.
Ich lese die Angaben auf dem Display der Auswuchtmaschine
Sehr wichtig
Ein Blinder könnte diesen Beruf wohl nicht erlernen.
Hörregister Ohren hören Ich höre, ob der Motor gut startet (Zustand der Starterbatterie, der Zündung, u.a.m.) Sehr wichtig, vieles am Fahrzeug muss richtig „tönen“.
Tastregister Haut spüren/fühlen Ich spüre, ob eine Schraube fest angezogen ist. Sehr wichtigMan darf nicht gefühllos arbeiten („murksen“)
Geruchsregister Nase riechen Wenn sich ein mechanischer oder elektrischer Teil überhitzt, so riecht man das.
Man riecht, wenn eine Flüssigkeit ausgelaufen ist.
Wichtig
Man muss einen „Riecher“ haben.
Geschmacksregister Zunge schmecken Kein Beispiel gefunden. Wenig wichtig
Wir sind Mechaniker nicht Köche.
  • Vorentlastung: Begriffe vor dem Lesen klären
    Im Klassengespräch und mit meiner Hilfe kommen wir auf folgende Lösungen:

strukturelle Frage    Struktur = Aufbau, Gliederung (wie ist unser G. aufgebaut)
funktionelle Frage    Funktion = Tätigkeit, das Arbeiten (wie arbeitet unser G.)
hemmen   = zurückhalten
theoretisch   = gedanklich, in Gedanken
Psychologen   = Beruf, der sich mit Fragen des Denkens und der Gefühle befasst.
naiv   = leichtgläubig, wenig kritisch, kindlich
kognitiv   = denkend, das Denken betreffend
sensorisch   = sinnlich, mit den Sinnen erfassen
physikalisch   = in diesem Fall z.B. hell - dunkel
Netzhaut   = Teil im Inneren des Auges, auf dem die Lichtstrahlen auftreffen, die durch die Pupillen eindringen
psychologisch sinnvolle Zeichen = Zeichen und Wörter, die einen Sinn ergeben
Informationsflut verdichten zu einem Schema = etwas Typisches finden. Was ist typisch an einem Mercedes? An einem BMW? Wie erkenne ich ihn im Verkehrsgewühl? Von vielem habe ich ein „Schema“ in meinem Gedächtnis. Die „Schemas“ helfen mir, die Welt wahr zu nehmen.
  • Lesen des Textes und nach jedem Abschnitt eine Frage auf einen Zettel schreiben (Partnerarbeit)

    Eine Auswahl der notierten Fragen durch die Lernenden:

    • Was können wir in diesem Text lernen?
    • Was will uns der Text erklären?
    • Wie heissen die drei Gedächtnisspeicher
    • Was ist ein psychologisches Modell
    • Wie lange bleibt eine Information im Ultrakurzzeitgedächtnis?
    • Wie lange dauert eine Millisekunde?
    • Was ist gemeint mit sensorischer Speicher?
    • Was ist digitale Information?
    • Was passiert mit den vielen Informationen, auf die wir unsere Aufmerksamkeit nicht lenken?
    • Was heisst Informationen verdichten?

    Beim Beantworten und Diskutieren der aufgeschriebenen Fragen, kann einerseits der Inhalt des Textes gefestigt werden, andererseits merken wir als Lehrperson, wo etwas noch nicht oder unkorrekt verstanden wurde.

Aktivität nach dem Lesen

Ich teile den Lernenden einen flemo-Kasten aus und fordere sie auf, den gelesenen Text in ein Bild umzuwandeln3 und die wichtigen Begriffe auf Kärtchen geschrieben in das Bild einzufügen.

Abbildung 1: Das Ultrakurzzeitgedächtnis UZG

Zum Schluss lasse ich mir von jeder Gruppe das Bild erklären. So kann ich überprüfen, ob die Inhalte verstanden wurden. Einige Lernende greifen zum Handy und fotografieren das entstandene Bild.

Teil 2: Das Kurzzeitgedächtnis

Vorbereitung

In der Vorbereitung stellen sich folgende drei Fragen:

  • In welcher Form sollen die Lernenden das Vorwissen aktivieren?

  • Was will ich zur Förderung des Textverständnisses tun:
    - vor der Lektüre (Vorentlastung)?
    - während der Lektüre?
    - nach der Lektüre

  • Mit welchen Massnahmen gelingt es, die Inhalte mit der Lebenswelt der Lernenden zu verknüpfen?

Ich entschliesse mich, die Lektion in drei Teile zu gliedern:

Teil 1: Aktivieren des Vorwissens: Das Bild des UKZG noch einmal visualisieren lassen und wichtige Begriffe in die Darstellung einfügen lassen.
Teil 2: Vorentlastung zur Textarbeit: Das Bild weiterbauen und die Inhalte des Textes erzählend vorweg nehmen.
Text lesen Einzelarbeit und dem Pultnachbar Partnerarbeit in eigenen Worten erzählen
Teil 3: Nach dem Lesen Die Visuelle Darstellung mit flemo ergänzen, weitere wichtige Begriffe in die Darstellung einfügen.

Zeitbedarf: 30 Minuten

Erfahrungen im Unterricht

Vorwissen aktualisieren:

Ich erinnere ganz kurz verbal an die Inhalte der letzten Woche, füge an, dass die Lernenden zum Schluss der Lektion ein Bild des Ultrakurzzeitgedächtnisses hergestellt haben, teile die Briefumschläge mit folgenden Begriffen aus:

Augen sehen Kontext/Umgebung/Situation
Ohren hören Millisekunden
Nase riechen Schema
Haut spüren Ultrakurzzeitgedächtnis
Zunge schmecken Unberücksichtigte Information

und bitte Sie, das vor einer Woche geschaffene Bild zu rekonstruieren.

Die Lernenden machen sich interessiert mit oder ohne Konsultieren der Handy-Bilder an die Arbeit.

Als Lehrperson lege ich ebenfalls ein Bild und füge die 15 Begriffskarten ein. Die Arbeitsatmosphäre ist angeregt und angenehm.

Vorentlastung der Textarbeit

Ich rufe die Klasse zu meinem Arbeitstisch, auf dem das von mir entworfene Bild liegt. Und halte einen Kurzvortrag:

Letzte Woche haben wir uns die Frage gestellt, wie wir als Menschen etwas von der Welt erfahren können und sind dabei auf unsere fünf Sinne gestossen. Wir haben erfahren, dass die Information nur ganz kurze Zeit in unserem Ultrakurzzeitgedächtnis bleibt. Schon sein Name zeigt uns, dass hier alles sehr schnell geht. Information für die wir kein Schema bereit haben, verfällt innert Sekundenbruchteilen.

Das Thema der heutigen Stunde ist die Frage: Wie wird die Information weiter verarbeitet?

Zwischen dem UKZG und dem Kurzzeitgedächtnis, so heisst der nächste Speicher unseres Verarbeitungssystems, ist ein Filter eingebaut. Es gibt Informationen, die diesen Filter nicht überwinden oder durchdringen können, z.B. wenn sie uns an schmerzhafte Erlebnisse erinnern. Unser Gedächtnis kann sich weigern, solche Informationen weiter zu verarbeiten, wir haben die Möglichkeit solche Informationen einfach zu verdrängen, wir wollen uns nicht damit befassen, wir wollen uns nicht erinnern.

Ich füge einen gelben Faden in die Darstellung ein, die den Filter symbolisiert.

Was den Filter überwindet, das muss vorerst mal zwischengespeichert werden. Hier machen wir ein kleines Experiment. Wer stellt sich zur Verfügung?

Steve meldet sich. Ich stelle ihm das Experiment vor:

  1. Ich sage Ihnen jetzt dann eine Telefon-Nummer, die sie sich merken sollen.
  2. Sie machen im Gang eine Runde und versuchen die Telefon-Nummer zu behalten.
  3. Sie kommen zurück und teilen uns mit, wie viele Stellen Sie behalten konnten.

Der Lernende geht mit meiner Telefonnummer auf die Reise, kommt zurück und kann sie noch hersagen: 031 910 37 61 (meine Tel. nummer am EHB). Stolz gibt er seine Strategie bekannt: Ich habe die Telefonnummer immer wieder leise vor mich hergesagt.

Anschliessend fahre ich im Referat fort:

Dieser Zwischenspeicher heisst im Text „Puffer“. Er hilft mir, die Information so lange nicht zu vergessen, bis ich sie verarbeiten kann. Verarbeiten heisst, ich muss sie mit meinem Vorwissen in Verbindung bringen, in dem ich zum Beispiel frage: Was ist gleich? Was ist anders? Was ist neu? Manchmal brauche ich auch einige Zeit, bis ich weiss, wie man einem Gegenstand sagt, bis ich den gelernten Begriff finde, der zu diesem Gegenstand gehört. Weil diese Vergleiche Zeit brauchen, braucht es einen Zwischenspeicher, einen Puffer. Das Kurzzeitgedächtnis besteht also aus zwei Teilen: Dem Puffer und der „Verarbeitungseinheit“. Ich kann die Arbeit auf verschiedene Arten verarbeiten:

oberflächlich  – wenn ich sie einfach lese, einmal oder mehrmals.
mittelmässig  – wenn ich eine Sache immer wieder wiederhole, z.B. wenn ich ein Gedicht auswendig lernen will
vertieft   wenn ich wirklich verstehen will, welche Bedeutung in einer Information steckt und mit welchen andern Informationen sie in einem Zusammenhang steht.

Auf die drei Verarbeitungsarten werden wir später noch vertieft eingehen.

Heute müsst ihr euch erst einmal folgendes merken:

  1. Je besser, d.h. je tiefer ich eine Information verarbeite, desto zuverlässiger werde ich sie später, wenn ich sie im dritten Speicher, dem Langzeitgedächtnis abgelegt habe, wieder abrufen können. Die Zahl der Zugänge, der Verknüpfungen entscheidet darüber, wie gut ich mich an die Information erinnern kann. Man spricht deshalb von „Wissensnetzen“ und „vernetztem Wissen“.

  2. Die Verarbeitung im Kurzzeitgedächtnis braucht Zeit. Das Kurzzeitgedächtnis ist der Engpass bei der Informationsverarbeitung. Seine Arbeitskapazität ist begrenzt. Für die Verarbeitung braucht es ein hohes Mass an Aufmerksamkeit.

Ich spreche ganz bewusst langsam. Während des Sprechens ergänze ich die Darstellung auf meinem Pult.

Abbildung 2: UZG und Kurzzeitgedächtnis KZG

Textarbeit

Nach diesem Kurzvortrag gebe ich den Auftrag Seite 17 zu lesen.

Nach der Textarbeit

Die Lernenden ergänzen Ihre flemo-Darstellung und führen folgende Begriffe in die Darstellung ein:

  • Puffer

  • innere Weiderholung

  • 5-9 Speicherplätze

  • Gruppen bilden

  • zentrale Exekutive

  • systematisch und präzis vergleichen

  • Begriffe (Wortschatz)

  • Schema

Am Schluss der Lektion fotografieren die Lernenden ihre Darstellung mit dem Handy.

Teil 3: Das Langzeitgedächtnis

Vorbereitung

Ich lese den Text aufmerksam durch und notiere mir folgende Stichwörter

  • Speicherplatz unbegrenzt

  • Information bleibt sehr lange erhalten

  • Zusammenhang speichern – abrufen (erinnern) – Vernetzung

  • bewusst mit dem Vorwissen vergleichen

  • Vernetzen heisst Beziehungen schaffen (Beispiel Übungsgruppe Bildstreifen: Das ganze Bild und seine Teile)

  • Doppelte Speicherung: semantisch (Begriff, Bedeutung,) – episodisch (Erlebnis, Bild, Gefühle)

  • Unterscheidung: Faktenwissen – Handlungswissen

  • Beim Erinnern beide Pisten benützen

Vorerst geht es nur darum, dass die Lernenden sich ein Bild machen, wie Information nachhaltig gespeichert wird, so dass sie bei Bedarf wieder abgerufen werden kann. Der Zusammenhang zwischen Lernstrategien (Tiefen- und Oberflächenstrategien) und Speicherung im Langzeitgedächtnis muss zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Wichtig sind mir in dieser Lektion:

  • Unser Langzeitgedächtnis hat eine riesige Speicherkapazität.

  • Wir „vergessen“ nicht so schnell, wie wir manchmal annehmen.

  • Neues Wissen kann ich aufnehmen, wenn ich es mit bestehendem Wissen verbinden kann.

  • Verbinden heisst bewusst vergleichen und Beziehungen schaffen.

  • Wissen wird doppelt gespeichert: Als Begriff (Wort/Bedeutung) und als Gesamterlebnis (Bild/Film).

  • Wir unterscheiden Faktenwissen (1 km hat 1000m) und Handlungswissen (schwimmen können).

  • Je mehr Verbindungen zu einem Inhalt bestehen, desto leichter kann ich mich an ihn erinnern.

Im Unterricht

Vorwissen aktivieren:

Die Lernenden legen das Bild der letzen Lektion noch einmal hin, bei Bedarf können sie ihre Handy-Bilder konsultieren.

Einleitung:

Die heutige Lektion ist von besonderer Bedeutung, es geht nämlich um die Frage, wie wir dauerhaft etwas in unserem Langzeitgedächtnis speichern können, so dass wir es bei Bedarf (z.B. an einer Prüfung, am QV) gezielt und sicher wieder abrufen können.

Textarbeit vorentlasten

Ich habe in meine flemo-Darstellung das Langzeitgedächtnis eingefügt..

Abbildung 3: Das Langzeitgedächtnis

Die Lernenden äussern ihre Gedanken, was diese Darstellung zeigen soll:

  • Es gibt offenbar zweierlei Inhalte im Langzeitgedächtnis grüne und rote.

    Ich ergänze mit rot = Handlungswissen (Bilder, Erlebnisse) und
    grün = semantisches Wissen (Begriffe, Fakten, Formeln)
  • Es sieht aus wie ein Netz

  • Die Inhalte sind untereinander verbunden
    Ich ergänze mit Wissensnetz

  • Ein Teil ist näher bei KZG, andere sind weiter weg.
    Ich ergänze mit Vorwissen aktivieren, Wissen abrufen

Im Anschluss daran lasse ich die Klasse den Text Seite 18/19 lesen.

Am Schluss der Lektüre teile ich Ihnen die Begriffskärtchen aus, die wir in den drei Lektionen angetroffen haben:

Ultrakurzzeitgedächtnis UZG: Kurzzeitgedächtnis KZG: Langzeitgedächtnis LZG:
Augen – sehen Puffer Wissen speichern
Ohren – hören innere Wiederholung
auditiv und visuell
Wissen abrufen
Haut – fühlen 5 – 9 Speicherplätze Speicherkapazität unbegrenzt
Nase – riechen Kontext doppelte Speicherung
Zunge – schmecken Zentrale Exekutive ZE episodisch (Bilder und Erlebnisse)
Information bleibt Millisekunden 10-6 Information verarbeiten semantisch (Begriffe, Formeln)
  systematisch und präzis vergleichen  
  Schema aus dem LZG  
  Begriffe aus dem LZG  

 

Insgesamt gilt es, 25 Begriffskärtchen in die Darstellung an den richtigen Platz zu legen.

Abbildung 4: Die drei Gedächtnisspeicher UZG, KZG und LZG

Teil 4: Die Beziehung zwischen den drei Gedächtnisspeichern

Vorbereitung

Ich lese den Text aufmerksam durch und notiere mir folgende Stichwörter

  • Engpass im Kurzzeit-Gedächtnis

  • Information, die nicht im Puffer zwischengespeichert werden kann, geht verloren.

  • Systematische Vergleichsprozesse im KZG brauchen Zeit. Problem der zeitlichen Koordination.

  • Mit Hilfe des Vorwissens bauen wir Erwartungen auf.

  • Der Kontext (Zusammenhang in dem ein Ereignis wahrgenommen wird) weckt meine Erwartungen.

  • Der Kontext muss genau analysiert werden, damit das „richtige“ Vorwissen aktiviert werden kann.

  • Die richtigen Erwartungen helfen uns, die wesentlichen Merkmale zu finden.

  • Erwartungen werden automatisch aufgebaut oder können bewusst aktiviert werden.

  • Erwartungen sind eine Voraktivierung des LZG, d.h. Begriffe können schneller abgerufen werden.

Wichtig ist mir in dieser Lektion, dass die Lernenden sehen, dass die drei Gedächtnisspeicher (UZG, KZG, LZG) optimal zusammenspielen müssen.

Im Unterricht

Vorwissen aktivieren

Ich projiziere der Klasse ein Bild aller drei Gedächtnisspeicher (Abbildung 4) und lasse sie die Darstellung mit der Abbildung 1 im Lehrmittel DELV (Ein Mehrspeichermodell der menschlichen Informationsverarbeitung Seite 16) vergleichen.

  • Bislang sind wir den Begriffen metakognitives Wissen und metakognitive Strategien noch nicht begegnet. Ich verweise auf Text S. 20-21.

  • Die beiden Pfeile unten an der Darstellung spielten bislang noch keine Rolle.

Vorentlastung

Ich verweise auf die drei unterschiedlichen „Betriebstempi“ der drei Gedächtnisse:

  • UKZ nimmt dauernd und in hohem Tempo Informationen auf und meldet sie dem KZG weiter.

  • Das KZG braucht für die Vergleichsprozesse oft mehrere Sekunden.

  • Das LZG braucht manchmal mehrere Minuten, bis entsprechende Inhalte aktiviert sind.

Auf diese Frage werdet ihr im Text eine Antwort erhalten.

Während des Lesens (S. 19f)

Ich lasse die beiden visualisierten Darstellungen aufgeblendet. Die Klasse liest den Text.

Nach dem Lesen

Wer fertig gelesen hat, kommt zu einem Tisch in die Mitte und bekommt eine der folgenden Fragen:

  1. Was sind Erwartungen?

  2. Was erwartet ihr vom Fachunterricht des heutigen Nachmittags?

  3. Was gehört zum Kontext des Unterrichts an der GIB Thun?

  4. Wie wird das „langsame LZG“ auf Trab gehalten?

Sobald ein zweiter Lernender die Lektüre ebenfalls beendet hat, dient er dem Ersten als Gesprächspartner um die gezogene Frage zu diskutieren. So muss niemand lange warten und die unterschiedlichen Lesetempi fallen nicht ins Gewicht. Beim Diskutieren der Frage zeigt sich oft die Notwendigkeit, den Text noch einmal zu konsultieren.

Bei der Auswertung liest einer der beiden Partner die Frage vor und sein Kollege gibt die herausgefundene Antwort.

 

Zeitbedarf: Ungefähr 20 Minuten

 

 


 

1 Grassi, A. & Künzel, M. (2010) Lernen heisst, ein eigenes Bild erschaffen. In folio 1/2010

2 Steiner, G. (2008): Der Kick zum effizienten Lernen. Bern: hep-verlag

3 Grassi, A. & Künzel, M. (2010): Lernen heisst ein eigenes Bild erschaffen. in folio 1/2010

 

Anleitung für die Textarbeit (Seiten 15 bis 20: Ein Modell des menschlichen Gedächtnisses) mit Jugendlichen mit tiefer Sprachkompetenz

In DELV-Kursen machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Lehrpersonen zwar die DELV-Übungen mit den Lernenden bearbeiten und sich an die Empfehlungen der Autoren halten, die Textarbeit mit den Lernenden aber eher meiden. Sie halten die Texte für ihre Lernenden für nicht „zumutbar“.

Das bedeutet, die Lehrperson betreibt eine Nivellierung des Anspruchsniveaus (hier in der Textarbeit) nach unten, eine Tatsache, die man im Bereich der lern- und leistungsschwächeren Lernenden leider immer wieder antrifft.

Damit schwächt die Lehrperson die Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Lernenden, d.h. die Jugendlichen lernen während der Schulzeit, dass man (die Lehrperson, die Gesellschaft) ihnen nicht allzu viel zutraut, sie halten sich für unbegabt oder für „dumm“, was den von Seligmann beschriebenen Zustand der „gelernten Hilflosigkeit“ begünstigt oder allmählich herbeiführt.

 

In der Arbeit mit lern- und leistungsschwächeren Jugendlichen ist nicht das Anspruchsniveau zu senken, sondern es sind die Hilfestellungen zu erhöhen.

 

Für die Textarbeit mit DELV heisst dies, die Lehrperson überlegt sich, welche Hilfestellungen sie geben kann, damit die Lernenden die Textarbeit leisten können.

Hilfestellungen zur Textarbeit:

Die Fragestellung für den Unterricht mit meiner Klasse in der zweijährigen Grundbildung heisst demnach:

Unter welchen Bedingungen können die Lernenden die Textarbeit bewältigen?

Welche zusätzlichen Hilfestellungen muss ich als Lehrperson anbieten?

Was können die Lernenden von der Textarbeit profitieren?

1. Massnahme: Den Text in Portionen aufteilen.

Der Gesamttext Ein Modell des menschlichen Gedächtnisses umfasst viereinhalb Seiten. Dieser Umfang ist ohne Zweifel zu gross, um in einer Lektion bearbeitet zu werden. Ich werde den Text in vier Portionen (Lektionen) aufteilen:

Teil 1: Einleitung und Ultrakurzzeitgedächtnis

Teil 2: Kurzzeitgedächtnis

Teil 3: Langzeitgedächtnis

Teil 4: Die Beziehung zwischen den drei Gedächtnisspeichern

 

2. Massnahme: Die Textarbeit vorentlasten

Treffen Lernende der zweijährigen Grundbildung in Texten auf Begriffe, die sie nicht verstehen, so verschlechtert sich ihre motivationale Lage oft sehr schnell. „Das ist nichts für mich! Dafür bin ich viel zu dumm!“ Diese Äusserungen höre ich immer wieder.

Die Strategie, ein nicht verstandenes Wort in einem Wörterbuch nachzuschlagen kann aus mehreren Gründen nicht aktiviert werden:

  1.  
    1. Sie beherrschen die Technik des Nachschlagens nicht, weil sie das Ordnungsschema eines Stichwortverzeichnisses nicht verstanden haben.

    2. Sie scheuen die Anstrengung, die dieses Nachschlagen erfordern würde. Weil sie erlebt haben, dass sie das Gesuchte nicht finden.

    3. Sie sind der persönlichen Überzeugung, der Autor müsse den Text so gestalten, dass Lesende auf Anhieb alles verstehen.

Als Lehrperson lese ich den Text aufmerksam durch und überlege mir, welche Begriffe oder Textpassagen nicht in der Sprachkompetenz der Lernenden enthalten sein könnten. Ich orientiere mich dabei am Gemeinsamen Referenzrahmen der Sprache GER, der die verschiedenen Aspekte der Sprachkompetenz auf insgesamt sechs Niveau-Stufen (A1, A2, B1, B2, C1, C2) beschreibt. Im Bereich des Textverstehens gehe davon aus, dass meine Klasse ca. das Niveau A2 (das zweitunterste) erreicht.

Das Lehrmittel mit integrierter CD Profile Deutsch zeigt mir, welche Begriffe und Redewendungen wohl von den Lernenden nicht spontan verstanden werden. Hier gilt es, die Textarbeit vorzuentlasten, indem ich vor dem Lesen die entsprechenden Begriffe und Redewendungen mit der Klasse kläre.

 

3. Massnahme: Den Text visualisieren – zum Beispiel mit flemo1

Beim Lesen eines Textes aktiviert die Leserin/der Leser innere Bilder und Begriffe (Vorwissen wird aktiviert). Der gelesene Text bestätigt zum Teil diese Inhalte, zum Teil werden sie präzisiert oder in Frage gestellt und ab und zu steht der Text im Gegensatz zum bestehenden Vorwissen. Will ich als Lehrperson diese inneren Bilder sichtbar und damit diskutierbar machen, muss ich die Visualisierung der Inhalte veranlassen.

 

Ich kann dies zum Beispiel tun, indem ich mich zu diesem Zweck der Methode des flexiblen Modellierens bediene und den Lernenden den Auftrag erteile, den Inhalt des Textes in eine bildliche Darstellung zu bringen. Auf diese Weise steht in einer Gruppenarbeit das Bild, dass sich die Gruppe erarbeitet hat. Die Lehrperson sieht anhand des Bildes, ob der Text verstanden wurde, wo Lücken bestehen und wo es Fehlkonzepte zu berichtigen gilt.

 

4. Massnahme: Teile des Textes immer wieder konsolidieren

Soll der Inhalt des Textes Ein Modell des menschlichen Gedächtnisses dauerhaft gespeichert werden, so muss die einmal gelegte Spur mehrmals verfolgt werden, d.h. es gilt, durch variantenreiches Üben und Einbeziehen in den nachfolgenden Unterricht, die Verbindungen zu vermehren und zu festigen. Steiner2 ortet in der Berufsfachschule einen Mangel beim Konsolidieren (Festigen) der Inhalte. D.h. die einmal gelegten Spuren im Gedächtnis schwächen sich ab und verlöschen allmählich wieder. Damit sind die betreffenden Inhalte nicht mehr systematisch abrufbar.

Es gilt also, immer wieder auf das Modell der Informationsverarbeitung zurückzukommen und insbesondere der Frage nachzugehen, wie wir den Engpass in der Verarbeitungskapazität im Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis) mit gut angepassten Strategien ausgleichen können?
Aber auch der Einsatz der verschiedenen Sinnesregister beim Lernen ist ein Thema, bei dem immer wieder nachgefasst werden muss. Was heisst aktives Lernen? Wie kann ich mehrere Sinne beim Lernen aktivieren? Was passiert, wenn ich beim Lernen immer wieder „abgelenkt“ werde (Aufmerksamkeit als knappes und wertvolles Gut)? Was nehme ich wahr und was will ich nicht wahrnehmen?

Das möglichst vernetzte Ablegen von Inhalten im Langzeitgedächtnis ist ein weiteres Thema, das von der Lehrperson immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden muss. Allmählich aber sollen Lernende sich selber fragen, ob ihr Verhalten und die angewendeten Strategien dem Lernprozess angemessen sind, d.h. die Verantwortung für das Lernen muss Schritt für Schritt von der Lehrperson abgegeben werden. Sie behält aber einen wachsamen Blick und veranlasst ein Nachfassen, wenn ihr dies angemessen erscheint.

 

Teil 1: Das Ultrakurzzeitgedächtnis
Vorbereitung

In der Vorbereitung stellen sich folgende drei Fragen:

  • Interessieren sich die Lernenden (Automobilassistenten) für dieses Thema?

  • In wie grosse Portionen will ich den Gesamttext gliedern?

  • Was will ich zur Förderung des Textverständnisses tun:
    - vor der Lektüre (Vorentlastung)?
    - während der Lektüre?
    - nach der Lektüre?

Nach den positiven Erfahrungen mit dem Text Seite 11/12 (siehe Beitrag auf dieser Site) bin ich überzeugt, dass sich die Lernenden dafür interessieren, wie Informationen wahrgenommen, verarbeitet, gespeichert und wieder abgerufen werden. Ich bin überzeugt, dass das Visualisieren und die Wahl einer den Lernenden angemessenen Sprache dazu beitragen, das Lernende den Text verstehen können.

 

Nach der gründlichen Lektüre des Textes entschliesse ich mich, für die Erarbeitung des Textes vier mal 15-20 Minuten einzusetzen.

  1. Das Ultrakurzzeitgedächtnis (S. 15/17) - Information aufnehmen

  2. Das Kurzzeitgedächtnis (S. 17/18) - Information verarbeiten

  3. Das Langzeitgedächtnis (S. 18/19) - Information speichern

  4. Die Beziehung zwischen den drei Gedächtnisspeichern (S. 19/20)

 

Geplanter Lektionsablauf zum Teil a) Ultrakurzzeitgedächtnis S. 15/17

Einstieg

Überschrift „Wie wir etwas von der Welt erfahren – mit allen Sinnen leben.“

  • Angefangene Tabelle ergänzen mit den Kolonnen Sinnesorgan, Tätigkeit, Beispiel aus dem Beruf des Automobilassistenten

 

 

Sinnesorgan

Tätigkeit

Beispiel Autmobilass

Bedeutung

Sehregister

 

 

 

 

Hörregister

 

 

 

 

Tastregister

 

 

 

 

Geruchsregister

 

 

 

 

Geschmacksregister

 

 

 

 

 

  • Vorentlastung: Folgende Begriffe werden vor dem Lesen geklärt, indem ich sie an die Tafel schreibe und die Lernenden frage, was sie zur Klärung beitragen können:
    strukturelle Frage ? Struktur =
    funktionelle Frage ? Funktion =
    hemmen =
    theoretisch =
    Psychologen =
    naiv =
    kognitiv =
    sensorisch =
    physikalisch =
    Netzhaut =
    psychologisch sinnvolle Zeichen =
    Informationsflut verdichten zu einem Schema =

  • Text Abschnitt für Abschnitt lesen. Sich zu jedem Abschnitt eine Frage ausdenken und die Frage auf einen Zettel schreiben.

  • Fragen vergleichen und beantworten.

 

Geschätzter Zeitbedarf Textarbeit S. 15/17 30 Min.

 

Erfahrungen im Unterricht:

„Wie wir etwas von der Welt erfahren – mit allen Sinnen leben“
Tabelle in Partnerarbeit ausgefüllt. Hier ein Beispiel:

 

 

Sinnesorgan

Tätigkeit

Beispiel Autmobilass

Bedeutung

Sehregister

Augen

sehen

Ich lese die Typenangaben auf einem Autoreifen.
Ich lese die Angaben auf dem Display der Auswuchtmaschine

Sehr wichtig
Ein Blinder könnte diesen Beruf wohl nicht erlernen.

Hörregister

Ohren

hören

Ich höre, ob der Motor gut startet (Zustand der Starterbatterie, der Zündung, u.a.m.)

Sehr wichtig, vieles am Fahrzeug muss richtig „tönen“.

Tastregister

Haut

spüren/fühlen

Ich spüre, ob eine Schraube fest angezogen ist.

Sehr wichtig
Man darf nicht gefühllos arbeiten („murksen)

Geruchsregister

Nase

riechen

Wenn sich ein mechanischer oder elektrischer Teil überhitzt, so riecht man das.
Man riecht, wenn eine Flüssigkeit ausgelaufen ist.

Wichtig

Man muss einen „Riecher“ haben.

Geschmacksregister

Zunge

schmecken

Kein Beispiel gefunden.

Wenig wichtig

Wir sind Mechaniker nicht Köche.

 

  • Vorentlastung: Begriffe vor dem Lesen klären
    Im Klassengespräch und mit meiner Hilfe kommen wir auf folgende Lösungen:

 

strukturelle Frage ? Struktur = Aufbau, Gliederung (wie ist unser G. aufgebaut)
funktionelle Frage ? Funktion = Tätigkeit, das Arbeiten (wie arbeitet unser G.)
hemmen = zurückhalten
theoretisch = gedanklich, in Gedanken
Psychologen = Beruf, der sich mit Fragen des Denkens und der
Gefühle befasst.
naiv = leichtgläubig, wenig kritisch, kindlich
kognitiv = denkend, das Denken betreffend
sensorisch = sinnlich, mit den Sinnen erfassen
physikalisch = in diesem Fall z.B. hell - dunkel
Netzhaut = Teil im Inneren des Auges, auf dem die Lichtstrahlen
auftreffen, die durch die Pupillen eindringen
psychologisch sinnvolle Zeichen = Zeichen und Wörter, die einen Sinn ergeben
Informationsflut verdichten zu einem Schema = etwas typisches finden. Was ist typisch
an einem Mercedes? An einem BMW?
Wie erkenne ich ihn im Verkehrsgewühl?
Von vielem habe ich ein „Schema“ in
meinem Gedächtnis. Die „Schemas“ helfen
mir, die Welt wahr zu nehmen.

  • Lesen des Textes und nach jedem Abschnitt eine Frage auf einen Zettel schreiben (Partnerarbeit)

    Eine Auswahl der notierten Fragen durch die Lernenden:
    - Was können wir in diesem Text lernen?
    - Was will uns der Text erklären?
    - Wie heissen die drei Gedächtnisspeicher
    - Was ist ein psychologisches Modell
    - Wie lange bleibt eine Information im Ultrakurzzeitgedächtnis?
    - Wie lange dauert eine Millisekunde?
    - Was ist gemeint mit sensorischer Speicher?
    - Was ist digitale Information?
    - Was passiert mit den vielen Informationen, auf die wir unsere Aufmerksamkeit nicht
    lenken?
    - Was heisst Informationen verdichten?

Beim Beantworten und Diskutieren der aufgeschriebenen Fragen, kann einerseits der Inhalt des Textes gefestigt werden, andererseits merken wir als Lehrperson, wo etwas noch nicht oder unkorrekt verstanden wurde.

 

Aktivität nach dem Lesen

Ich teile den Lernenden einen flemo-Kasten aus und fordere sie auf, den gelesenen Text in ein Bild umzuwandeln3 und die wichtigen Begriffe auf Kärtchen geschrieben in das Bild einzufügen.

 

 

Abbildung 1: Das Ultrakurzzeitgedächtnis UZG

 

 

Zum Schluss lasse ich mir von jeder Gruppe das Bild erklären. So kann ich überprüfen, ob die Inhalte verstanden wurden. Einige Lernende greifen zum Handy und fotografieren das entstandene Bild.

Teil 2: Das Kurzzeitgedächtnis
Vorbereitung

In der Vorbereitung stellen sich folgende drei Fragen:

  • In welcher Form sollen die Lernenden das Vorwissen aktivieren?

  • Was will ich zur Förderung des Textverständnisses tun:
    - vor der Lektüre (Vorentlastung)?
    - während der Lektüre?
    - nach der Lektüre

  • Mit welchen Massnahmen gelingt es, die Inhalte mit der Lebenswelt der Lernenden zu verknüpfen?

Ich entschliesse mich, die Lektion in drei Teile zu gliedern:
Teil 1: Aktivieren des Vorwissens: Das Bild des UKZG noch einmal visualisieren
lassen und wichtige Begriffe in die
Darstellung einfügen lassen.

Teil 2: Vorentlastung zur Textarbeit: Das Bild weiterbauen und die Inhalte des Textes
erzählend vorweg nehmen.
Text lesen Einzelarbeit
und dem Pultnachbar Partnerarbeit
in eigenen Worten erzählen

Teil 2: Nach dem Lesen Die Visuelle Darstellung mit flemo ergänzen,
weitere wichtige Begriffe in die Darstellung
einfügen.

 

Zeitbedarf: 30 Minuten

 

Erfahrungen im Unterricht

Vorwissen aktualisieren:

Ich erinnere ganz kurz verbal an die Inhalte der letzten Woche, füge an, dass die Lernenden zum Schluss der Lektion ein Bild des Ultrakurzzeitgedächtnisses hergestellt haben, teile die Briefumschläge mit folgenden Begriffen aus:

  • Augen ? sehen ? Kontext/Umgebung/Situation

  • Ohren ? hören ? Millisekunden

  • Nase ? riechen ? Schema

  • Haut ? spüren ? Ultrakurzzeitgedächtnis

  • Zunge ? schmecken ? Unberücksichtigte Information

und bitte Sie, das vor einer Woche geschaffene Bild zu rekonstruieren.

Die Lernenden machen sich interessiert mit oder ohne Konsultieren der Handy-Bilder an die Arbeit.

Als Lehrperson lege ich ebenfalls ein Bild und füge die 15 Begriffskarten ein. Die Arbeitsatmosphäre ist angeregt und angenehm.

 

 

Vorentlastung der Textarbeit

Ich rufe die Klasse zu meinem Arbeitstisch, auf dem das von mir entworfene Bild liegt. Und halte einen Kurzvortrag:

Letzte Woche haben wir uns die Frage gestellt, wie wir als Menschen etwas von der Welt erfahren können und sind dabei auf unsere fünf Sinne gestossen. Wir haben erfahren, dass die Information nur ganz kurze Zeit in unserem Ultrakurzzeitgedächtnis bleibt. Schon sein Name zeigt uns, dass hier alles sehr schnell geht. Information für die wir kein Schema bereit haben, verfällt innert Sekundenbruchteilen.

 

 

Das Thema der heutigen Stunde ist die Frage: Wie wird die Information weiter verarbeitet?

 

Zwischen dem UKZG und dem Kurzzeitgedächtnis, so heisst der nächste Speicher unseres Verarbeitungssystems, ist ein Filter eingebaut. Es gibt Informationen, die diesen Filter nicht überwinden oder durchdringen können, z.B. wenn sie uns an schmerzhafte Erlebnisse erinnern. Unser Gedächtnis kann sich weigern, solche Informationen weiter zu verarbeiten, wir haben die Möglichkeit solche Informationen einfach zu verdrängen, wir wollen uns nicht damit befassen, wir wollen uns nicht erinnern.

 

Ich füge einen gelben Faden in die Darstellung ein, die den Filter symbolisiert.

 

Was den Filter überwindet, das muss vorerst mal zwischengespeichert werden. Hier machen wir ein kleines Experiment. Wer stellt sich zur Verfügung?

 

Steve meldet sich. Ich stelle ihm das Experiment vor:

1. Ich sage Ihnen jetzt dann eine Telefon-Nummer, die sie sich merken sollen.

2. Sie machen im Gang eine Runde und versuchen die Telefon-Nummer zu behalten.

3. Sie kommen zurück und teilen uns mit, wie viele Stellen Sie behalten konnten.

Der Lernende geht mit meiner Telefonnummer auf die Reise, kommt zurück und kann sie noch hersagen: 031 910 37 61 (meine Tel. nummer am EHB). Stolz gibt er seine Strategie bekannt: Ich habe die Telefonnummer immer wieder leise vor mich hergesagt.

 

Anschliessend fahre ich im Referat fort:

Dieser Zwischenspeicher heisst im Text „Puffer“. Er hilft mir, die Information so lange nicht zu vergessen, bis ich sie verarbeiten kann. Verarbeiten heisst, ich muss sie mit meinem Vorwissen in Verbindung bringen, in dem ich zum Beispiel frage: Was ist gleich? Was ist anders? Was ist neu? Manchmal brauche ich auch einige Zeit, bis ich weiss, wie man einem Gegenstand sagt, bis ich den gelernten Begriff finde, der zu diesem Gegenstand gehört. Weil diese Vergleiche Zeit brauchen, braucht es einen Zwischenspeicher, einen Puffer. Das Kurzzeitgedächtnis besteht also aus zwei Teilen: Dem Puffer und der „Verarbeitungseinheit“. Ich kann die Arbeit auf verschiedene Arten verarbeiten:

oberflächlich – wenn ich sie einfach lese, einmal oder mehrmals.

mittelmässig – wenn ich eine Sache immer wieder wiederhole, z.B. wenn ich ein Gedicht auswendig
lernen will

vertieft - wenn ich wirklich verstehen will, welche Bedeutung in einer Information steckt und mit
mit welchen andern Informationen sie in einem Zusammenhang steht.

Auf die drei Verarbeitungsarten werden wir später noch vertieft eingehen.

 

Heute müsst ihr euch erst einmal folgendes merken:

  1. Je besser, d.h. je tiefer ich eine Information verarbeite, desto zuverlässiger werde ich sie später, wenn ich sie im dritten Speicher, dem Langzeitgedächtnis abgelegt habe, wieder abrufen können. Die Zahl der Zugänge, der Verknüpfungen entscheidet darüber, wie gut ich mich an die Information erinnern kann. Man spricht deshalb von „Wissensnetzen“ und „vernetztem Wissen“.

  2. Die Verarbeitung im Kurzzeitgedächtnis braucht Zeit. Das Kurzzeitgedächtnis ist der Engpass bei der Informationsverarbeitung. Seine Arbeitskapazität ist begrenzt. Für die Verarbeitung braucht es ein hohes Mass an Aufmerksamkeit.

 

Ich spreche ganz bewusst langsam. Während des Sprechens ergänze ich die Darstellung auf meinem Pult.

 

 

 

Abbildung 2: UZG und Kurzzeitgedächtnis KZG

 

Textarbeit

Nach diesem Kurzvortrag gebe ich den Auftrag Seite 17 zu lesen.

 

Nach der Textarbeit

Die Lernenden ergänzen Ihre flemo-Darstellung und führen folgende Begriffe in die Darstellung ein:

  • Puffer

  • innere Weiderholung

  • 5-9 Speicherplätze

  • Gruppen bilden

  • zentrale Exekutive

  • systematisch und präzis vergleichen

  • Begriffe (Wortschatz)

  • Schema

 

Am Schluss der Lektion fotografieren die Lernenden ihre Darstellung mit dem Handy.

 

Teil 3: Das Langzeitgedächtnis
Vorbereitung

Ich lese den Text aufmerksam durch und notiere mir folgende Stichwörter

  • Speicherplatz unbegrenzt

  • Information bleibt sehr lange erhalten

  • Zusammenhang speichern – abrufen (erinnern) – Vernetzung

  • bewusst mit dem Vorwissen vergleichen

  • Vernetzen heisst Beziehungen schaffen (Beispiel Übungsgruppe Bildstreifen: Das ganze Bild und seine Teile)

  • Doppelte Speicherung: semantisch (Begriff, Bedeutung,) – episodisch (Erlebnis, Bild, Gefühle)

  • Unterscheidung: Faktenwissen – Handlungswissen

  • Beim Erinnern beide Pisten benützen

 

Vorerst geht es nur darum, dass die Lernenden sich ein Bild machen, wie Information nachhaltig gespeichert wird, so dass sie bei Bedarf wieder abgerufen werden kann. Der Zusammenhang zwischen Lernstrategien (Tiefen- und Oberflächenstrategien) und Speicherung im Langzeitgedächtnis muss zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

 

Wichtig sind mir in dieser Lektion:

  • Unser Langzeitgedächtnis hat eine riesige Speicherkapazität.

  • Wir „vergessen“ nicht so schnell, wie wir manchmal annehmen.

  • Neues Wissen kann ich aufnehmen, wenn ich es mit bestehendem Wissen verbinden kann.

  • Verbinden heisst bewusst vergleichen und Beziehungen schaffen.

  • Wissen wird doppelt gespeichert: Als Begriff (Wort/Bedeutung) und als Gesamterlebnis (Bild/Film).

  • Wir unterscheiden Faktenwissen (1 km hat 1000m) und Handlungswissen (schwimmen können).

  • Je mehr Verbindungen zu einem Inhalt bestehen, desto leichter kann ich mich an ihn erinnern.

 

 

Im Unterricht

Vorwissen aktivieren:

Die Lernenden legen das Bild der letzen Lektion noch einmal hin, bei Bedarf können sie ihre Handy-Bilder konsultieren.

 

Einleitung:

Die heutige Lektion ist von besonderer Bedeutung, es geht nämlich um die Frage, wie wir dauerhaft etwas in unserem Langzeitgedächtnis speichern können, so dass wir es bei Bedarf (z.B. an einer Prüfung, am QV) gezielt und sicher wieder abrufen können.

 

Textarbeit vorentlasten

Ich habe in meine flemo-Darstellung das Langzeitgedächtnis eingefügt..

 

 

Abbildung 3: Das Langzeitgedächtnis

 

Die Lernenden äussern ihre Gedanken, was diese Darstellung zeigen soll:

  • Es gibt offenbar zweierlei Inhalte im Langzeitgedächtnis grüne und rote.
    Ich ergänze mit rot = Handlungswissen (Bilder, Erlebnisse) und
    grün = semantisches Wissen (Begriffe, Fakten, Formeln)

  • Es sieht aus wie ein Netz

  • Die Inhalte sind untereinander verbunden
    Ich ergänze mit
    Wissensnetz

  • Ein Teil ist näher bei KZG, andere sind weiter weg.
    Ich ergänze mit
    Vorwissen aktivieren, Wissen abrufen

 

Im Anschluss daran lasse ich die Klasse den Text Seite 18/19 lesen.

 

Am Schluss der Lektüre teile ich Ihnen die Begriffskärtchen aus, die wir in den drei Lektionen angetroffen haben:

 

Ultrakurzzeitgedächtnis UZG: Kurzzeitgedächtnisn KZG: Langzeitgedächtnis LZG:
- Augen – sehen - Puffer - Wissen speichern
- Ohren - hören - innere Wiederholung - Wissen abrufen

- Haut – fühlen auditiv und visuell - Speicherkapazität unbegrenzt

- Nase – riechen - 5 – 9 Speicherplätze - doppelte Speicherung

- Zunge – schmecken - Kontext - episodisch (Bilder und Erlebnisse)

- Information bleibt - Zentrale Exekutive ZE - semantisch (Begriffe, Formeln)
Millisekunden 10
-6 - Information verarbeiten

- systematisch und präzis vergleichen

- Schema aus dem LZG
- Begriffe aus dem LZG

Insgesamt gilt es, 25 Begriffskärtchen in die Darstellung an den richtigen Platz zu legen.

 

 

 

Abbildung 4: Die drei Gedächtnisspeicher UZG, KZG und LZG

 

Teil 4: Die Beziehung zwischen den drei Gedächtnisspeichern
Vorbereitung

Ich lese den Text aufmerksam durch und notiere mir folgende Stichwörter

  • Engpass im Kurzzeit-Gedächtnis

  • Information, die nicht im Puffer zwischengespeichert werden kann, geht verloren.

  • Systematische Vergleichsprozesse im KZG brauchen Zeit. Problem der zeitlichen Koordination.

  • Mit Hilfe des Vorwissens bauen wir Erwartungen auf.

  • Der Kontext (Zusammenhang in dem ein Ereignis wahrgenommen wird) weckt meine Erwartungen.

  • Der Kontext muss genau analysiert werden, damit das „richtige“ Vorwissen aktiviert werden kann.

  • Die richtigen Erwartungen helfen uns, die wesentlichen Merkmale zu finden.

  • Erwartungen werden automatisch aufgebaut oder können bewusst aktiviert werden.

  • Erwartungen sind eine Voraktivierung des LZG, d.h. Begriffe können schneller abgerufen werden.

 

Wichtig ist mir in dieser Lektion, dass die Lernenden sehen, dass die drei Gedächtnisspeicher (UZG, KZG, LZG) optimal zusammenspielen müssen.

 

Im Unterricht

Vorwissen aktivieren

Ich projiziere der Klasse ein Bild aller drei Gedächtnisspeicher (Abbildung 4) und lasse sie die Darstellung mit der Abbildung 1 im Lehrmittel DELV (Ein Mehrspeichermodell der menschlichen Informationsverarbeitung Seite 16) vergleichen.

  • Bislang sind wir den Begriffen metakognitives Wissen und metakognitive Strategien noch nicht begegnet. Ich verweise auf Text S. 20-21.

  • Die beiden Pfeile unten an der Darstellung spielten bislang noch keine Rolle.

 

Vorentlastung

Ich verweise auf die drei unterschiedlichen „Betriebstempi“ der drei Gedächtnisse:

  • UKZ nimmt dauernd und in hohem Tempo Informationen auf und meldet sie dem KZG weiter.

  • Das KZG braucht für die Vergleichsprozesse oft mehrere Sekunden.

  • Das LZG braucht manchmal mehrere Minuten, bis entsprechende Inhalte aktiviert sind.

Auf diese Frage werdet ihr im Text eine Antwort erhalten.

 

Während des Lesens (S. 19f)

Ich lasse die beiden visualisierten Darstellungen aufgeblendet. Die Klasse liest den Text.

 

Nach dem Lesen

Wer fertig gelesen hat, kommt zu einem Tisch in die Mitte und bekommt eine der folgenden Fragen:

  1. Was sind Erwartungen?

  2. Was erwartet ihr vom Fachunterricht des heutigen Nachmittags?

  3. Was gehört zum Kontext des Unterrichts an der GIB Thun?

  4. Wie wird das „langsame LZG“ auf Trab gehalten?

Sobald ein zweiter Lernender die Lektüre ebenfalls beendet hat, dient er dem Ersten als Gesprächspartner um die gezogene Frage zu diskutieren. So muss niemand lange warten und die unterschiedlichen Lesetempi fallen nicht ins Gewicht. Beim Diskutieren der Frage zeigt sich oft die Notwendigkeit, den Text noch einmal zu konsultieren.

 

Bei der Auswertung liest einer der beiden Partner die Frage vor und sein Kollege gibt die herausgefundene Antwort.

 

 

Zeitbedarf: Ungefähr 20 Minuten

1 Grassi, A. & Künzel, M. (2010) Lernen heisst, ein eigenes Bild erschaffen. In folio 1/2010

2 Steiner, G. (2008): Der Kick zum effizienten Lernen. Bern: hep-verlag

3 Grassi, A. & Künzel, M. (2010): Lernen heisst ein eigenes Bild erschaffen. in folio 1/2010